Geschichte

 

  Der Bau der Strecke Wittenberge - Dömitz - Dannenberg - Lüneburg - Buchholz wurde 1872 bis 1874 vollzogen. Am 31.Dezember 1874 wurde dann sowohl der letzte Abschnitt eröffnet als auch die Gesamtstrecke komplettiert. Die gesamte Magistrale wurde seinerzeit von der BHE(Berlin Hamburger Eisenbahngesellschaft)geplant, erbaut und zu Anfang betrieben. Die Logistik sah seinerzeit etwa alle 9 km einen Bahnhof mit Wartungs und Bevorratungsmöglichkeiten für die Fahrzeuge und Lokomotiven vor. Demzufolge entstanden die Bahnhöfe Marxen, Wulfsen und Mechtersen. Wobei die Entfernungen immer nur als relativ anzusehen sind, denn die Entfernung Mechtersen - Wulfsen beträgt 12 km. Die gesamte Magistrale ist von Beginn an als 2 gleisige Hauptbahn geplant und gebaut worden. Jedoch wurde das zweite Streckengleis nie verlegt. Offenbar sah die Politik und nicht zuletzt das Militär, seinerzeit eine enorme Bedeutung in dieser Bahnlinie, die in der Praxis insbesondere nach dem zweiten Weltkriege jedoch völlig anders aussah. Man kann sagen, daß ohne preiswerte Transportmitel, wie etwa den VT 98, diese Bahnstrecke wahrscheinlich sehr viel früher ihr Aus gefunden hätte. Zwar als Hauptbahn gebaut aber als Nebenbahn mit einer zugelassenen Streckenhöchstgeschwindigkeit von 60km/h eingestuft, konnten hier auch keine relevanten Wunder erwartet werden. Eine Linienführung durch eine weitläufige und recht dünn besiedelte Landschaft ließ ebenfalls nicht erwarten, daß dieser Strecke je rosige Zeiten blühen würden. Die Zeit war damals schlicht eine völlig andere, Individualverkehr gab es kaum, das Verkehrsmittel vieler Jahrzehnte war die Eisenbahn und so verwundert es nicht, dass viele Eisenbahnstrecken unter damals korrekter Maxime geplant und erstellt wurden, heute aber unrentabel geworden sind. Freilich sind viele Strecken zu früh und aus falschen Gesichtspunkten stillgelegt worden und die Strecke Buchholz - Lüneburg ist aus meiner heutigen Sicht ein ganz deutlicher Fall der zu voreiligen Stillegung, verband sie doch zwei aufstrebende Städte mit ihrerseits umfangreichen Weiterreisemöglichkeiten.  
 

Das Ende

 
 

Am 26. September 1981 fuhr der letzte planmässige Personenzug.

Am 01.Mai 1989 wurde die Strecke komplett bis auf dem Abschnitt Abzwgst. Jesteburg - Marxen und Mechtersen - Lüneburg, stillgelegt. Ausser Betrieb ging bereits kurz nach Einstellung des Personenverkehrs der Abschnitt Marxen - Wulfsen, woran sich bis zum Abbau der Strecke auch nichts mehr änderte.

1985 wurde im Bhf Marxen die Wechselweichenverbindung zwischen dem Kreuzungsgleis und dem Ladegleis ausgebaut.

Im Sommer 1990 wurde ein etwa 3,5 km langes Streckenstück ab Brackel Einfahrt aus Wulfsen bis kurz hinter Tangendorf sowie ein etwa 500m langes Stück zwischen Marxen und Brackel kurz vor der Einfahrt Brackel abgebaut.

Gegen Mitte/Ende der 1990iger Jahre wurde die Anschlussweiche zur Raiffeisenwarengenossenschaft Hanstedt e.G. nach etwa 10 Jahren ohne Lückenschluß ausgebaut. Der Vertrag mit der DB bestand nur für 10 Jahre.

1994 folgt die Stillegung des Abschnittes Abzwgst. Jesteburg - Marxen und Mechtersen - Lüneburg.

Nach Erneuerung der Gleise der Umgehungsbahn Buchholz - Maschen im Jahre 1997 wird die Abzweigweiche mit folgenden 300 Meter Gleis ausgebaut.

Die Strecke wurde, nach Entwidmung 1999/2000 im Jahre 2001 in einer recht zügigen Aktion in nur wenigen Tagen von beiden Seiten der Strecke her abgebaut.

 
 
Die Reste
 
 

Zusammengezählt gibt es vieleicht noch rund 200 Meter Streckengleis abgesehen von dem Stück der Einfahrt Lüneburg, welches nun Anschlußstück eines Umspannwerkes ist. Viele Stücke davon in ehemaligen Bahnübergängen oder Brücken.

Nahezu alle Kilometersteine sind noch erhalten. Darunter fast alle der ursprünglichen, nach Hauptbahnmanier alle 100m stehenden behauenen Steine.

Es finden sich mitunter noch wenige gelbe Stromverteiler entlang der Strecke, wie auch mehrere Betonsockel der BÜ Signale.

Zu ca.90% ist das komplette Schotterbett noch vorhanden.

Bis auf die Strassenbrücke bei Lüneburg/Sternkamp sind alle Brücken noch vorhanden und in brauchbarem bis gutem Zustand.

Die Gebäude der Bahnhöfe Mechtersen, Wulfsen, Brackel und Marxen sind noch vorhanden, wenn auch privat genutzt.

Die Bahnsteige in Ochtmissen, Mechtersen, Bahlburg, Wulfsen, Tangendorf, Brackel und Marxen sind im Wesentlichen ebenfalls noch vorhanden.

 
 
Die Zukunft
 
 

Es soll angeblich Gutachten geben, die die Rentabilität der Strecke bescheinigen, ja sogar deutlich unterstreichen würden. Ich habe diese Gutachten bis heute(Stand Okt 2009) nicht gelesen oder je zu Gesicht bekommen, würde mich aber sehr zu einer solchen Gelegenheit freuen.

Fakt ist, daß bis zum heutigen Tage nicht ein Meter des Bahnkörpers, auf dem 1981 noch die Gleise lagen,relevant bebaut oder fremdverwendet ist. Dieser Umstand fügt einer möglichen Reakitivierung einen dicken Pluspunkt hinzu. In Wulfsen wurden wenige Meter Strecke zu einem gepflastertem Fußweg und zwischen Lüneburg und Mechtersen wurde die Trasse zu einem Rad/Fußweg und die dortige Trasse damit geschützt. Die kleine Steinbogenbrücke zwischen Marxen und Brackel sowie die Überführung ebenfalls zwischen Marxen und Brackel sollen sich bereits unter Denkmalschutz befinden.

Und auch wenn diese Strecke nie wieder Gleise tragen wird, so werden ihre Spuren und Reste, zum Teil Denkmalgeschützt, noch für Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte von Ihr berichten. Der Strecke aus einer Zeit, lang bevor wir alle existiert haben und genau dort, wo unsere Gedanken vieleicht sind, wenn wir an ihre Geschichte denken.

 
 
Die Prognose
 
 

Realistisch betrachtet wird diese Strecke wohl nie reaktiviert. Es gibt nichts was auch nur im Ansatz in die Richtung Reaktivierung geht. Durch sehr viele Kontakte mit Eisenbahninfrastrukturunternehmen kann ich das unterstreichen. Als die Entwidmung anstand, war es vielmehr so, dass die DB AG mit Bevorzugung die Strecke umgehend abbauen wollte und mit Nachdruck im Strudel der Geschichte verschwinden sehen wollte. Mit wurde bestätigt, dass es sehr ungewöhnlich wäre, dass nicht nur die Abzweigweiche seinerzeit demontiert wurde, sondern gleich mehrere hundert Meter Gleis dazu. Es hiess unter der vorgehaltenen Hand, dass "da wohl irgendwer" die Strecke nicht mochte. Daneben haben sich anwohnende Menschen lange, zu lange, bereits ohne eine Eisenbahn eingerichtet. Die Notwendigkeit einer Eisenbahnstrecke und damit verbundenem ÖPNV ist aus meiner bescheidenen Sicht zumindest heute überflüssig, leider. Und selbst wenn, die Strecke würde nie der alten Form sondern modernen Gesichtspunkten entsprechen. Somit mit Nachdruck, vorbei, leider.

Natürlich mag sich angesichts verändernder energiepolitischer Gesichtspunkte auch der Blickwinkel auf den ÖPNV verändern. An vielen Stellen hat ein Umdenken sogar schon begonnen, leider nur ist dieser Prozess sehr sehr langsam. Und ob er je dazu führt, daß auch Nebenstrecken wieder interessant und als Reisemittel attraktiv werden, sei mehr als nur dahingestellt und letztlich auch nur ein Strohhalm.

 
 
Fazit
 
 

Freude an den Bildern und Unterlagen haben. Derjenige der die Strecke noch live in Betrieb befindlich erlebt hat, mag von seinen Erinnerungen zehren. Der Modellbauer mag Teile oder die ganze Strecke nachbauen. Virtuell ist dieses Projekt bereits von mir zu rund 60% vollbracht. Hier zu sehen der Bahnhof Marxen mit Zustand um 1970.

Und doch vergeht kaum ein Jahr, an dem ich nicht an "meine" Strecke fahre und Beobachtungen mit der Digitalkamera festhalte und mich so manches mal dabei ertappe, wie ich hoffenderweise um die Ecke blicke um dort Baufahrzeuge zu sehen. Wunder gibt es immer wieder, heisst ein Schlager aus Deutschen Landen und die DB AG ist für einige Seltsamkeiten berühmt.

 
     
  Doch die Beobachtungen gehen nicht Zuende. Diese Strecke gibt einige Rätsel auf, von denen es mir bisher nur in wenigen Fällen gelungen ist, eine Lösung herbeizuführen. Trotz oder vieleicht auch gerade wegen intensivsten Recherchen in historischen Archiven und Quellen. Und auch wenn viele Rätsel gelöst sind, so ist diese Arbeit wie eine kriminalistische Aufgabe, den Täter zu überführen, hier nurmehr über 100 Jahre Objektgeschichte zu sichten und aufzeigen zu können. Sehr interessant, auch und gerade aus historischer Sicht und Blick auf die Lebensart und Weise unserer Vorväter.  
  Eines der wohl schönsten historischen Bilder, die ich zu dieser Eisenbahnstrecke gefunden habe. Der Blick geht von der Auebrücke bei der künftigen Abzweigstelle Jesteburg in südlicher Richtung. Das Bild stammt aus dem Jahre 1910.  
   
     
     
     
 
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